Presse­mit­teilung des Bonner Anwal­tVerein e.V.

Im Herbst: Wer haftet für umstürzende Bäume? 

Stürzt ein Baum während eines Sturms auf ein Auto, haftet unter Umständen der Besitzer des Grund­stücks, auf dem der Baum stand, bevor er auf das Auto gestürzt ist. „Privat­leute oder die öffent­liche Hand haften aber immer nur dann, wenn das Gefähr­dungs­po­tential vor dem Sturm erkennbar und damit behebbar war“, sagt Rechts­anwalt Ralf Schwei­gerer, Vorsit­zender des Bonner Anwal­tVereins. „Der Besitzer muss also gewusst haben, dass der Baum zum Beispiel brüchig war.“

Wer haftet, wenn Dachziegel von Häusern gerissen werden?

Häufig ziehen Sturm­schäden beispiels­weise am Eigenheim weitere Schäden nach sich, etwa wenn Teile des Daches abreißen und parkende Autos beschä­digen. „Haus­be­sitzer können in der Regel dafür haftbar gemacht werden. Auch der Verweis auf höhere Gewalt hilft meist nicht“, sagt Rechts­anwalt Schwei­gerer. Aus einer Entscheidung des Oberlan­des­ge­richts Hamm aus dem Jahr 2010 geht hervor: Von einem sorgfältig gewar­teten Haus sollten sich unterhalb einer Windstärke von 12 Beaufort keine Teile ablösen – das entspricht einem Orkan mit Windge­schwin­dig­keiten von 118 bis 133 km/h (AZ: 13 U 145/09). „Andern­falls kann dem Besitzer eine mangel­hafte Instand­haltung seines Hauses vorge­worfen werden“, sagt Rechts­anwalt Schwei­gerer vom Bonner Anwal­tVerein.

Wer haftet, wenn jemand auf dem Laub ausrutscht, das auf dem Gehweg liegt? 

Eigen­tümer von Grund­stücken unter­liegen einer Verkehrs­si­che­rungs­pflicht, die auch die Gehwege vor den Grund­stücken umfasst. Aus der Verkehrs­si­che­rungs­pflicht folgt, dass man alle zumut­baren Maßnahmen ergreifen muss, um andere vor Schäden zu bewahren. „Daher sind etwa Gemeinden oder Privat­men­schen dazu verpflichtet, regel­mäßig Laub von den Gehwegen zu entfernen“, so Rechts­anwalt Schwei­gerer. „Unzu­mutbar ist es aber, die Gehwege stündlich oder täglich zu reinigen.“

Mundraub: Darf man Obst aus fremden Gärten pflücken und essen? 

Früher nannte man es Mundraub, heute ist es Diebstahl, wenn man unerlaubt auf landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen etwa Maiskolben, Kohlköpfe oder Obst von Plantagen mitnimmt. „Diese Gaben gehören den Besitzern oder Eigentümern des Bodens“, sagt Rechtsanwalt Schweigerer. Verboten ist es auch, Obst oder Gemüse aus privaten Gärten zu pflücken oder das Obst zu nehmen, das an Ästen des nachbarschaftlichen Obstbaumes hängt und auf das eigene Grundstück hinüber wächst. „Nur wenn Früchte von herüberragenden Ästen auf das eigene Grundstück fallen, darf man sie aufsammeln und verzehren“ sagt Rechtsanwalt Schweigerer. „Pflücken darf man hingegen die Früchte wild lebender Pflanzen.“ Das Sammeln von Pilzen und Beeren im Wald ist für den privaten Gebrauch gestattet, ebenso wie das Pflücken von Obst wilder Bäume. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in Ihrer Nähe finden Sie auch über den Anwaltssuchservice des Bonner AnwaltVereins unter 0228-635800 oder unter www.anwaltsauskunft.de

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