Frühzeitig vor Erbschlei­chern schützen

Erbschleicher gehen in der Regel nach einer bestimmten Strategie vor. Zunächst gewinnen sie das Vertrauen des Opfers. Ältere, allein­ste­hende und kranke Menschen sind oft leichte Beute. „Der zweite Schritt ist, das Opfer von seinem Umfeld zu isolieren, also zum Beispiel Telefon­anrufe abzublocken oder schlecht über Famili­en­angehörige zu sprechen. Danach lässt der Erbschleicher bei dem Opfer ein schlechtes Gewissen und Abhängigkeit entstehen“, erklärt Rechts­anwalt Ralf Schwei­gerer, Vorsit­zender des Bonner Anwal­tVereins. Aus Dankbarkeit oder unter Druck würden Erblasser dem Erbschleicher dann zu Lebzeiten Vermögenswerte überschreiben oder ihn als Erbe einsetzen.

Es gibt einige Schutz­me­cha­nismen, mit denen Erblasser und ihre Angehörigen sich schon zu Lebzeiten vor Erbschlei­chern schützen oder ihnen zumindest die Arbeit sehr erschweren können:

1) Bestellung eines Betreuers

Der ältere Mensch kann sich einen Betreuer zu Hilfe nehmen, der finan­zielle Angele­gen­heiten für ihn regelt. Famili­en­mit­glieder oder andere Dritte können dies aber höchstens anregen: Der Antrag auf Betreuung selbst kann nur vom Betrof­fenen gestellt werden.

2) Schutz­me­cha­nismen bei der Vorsor­ge­voll­macht

Wer eine Vorsor­ge­voll­macht aufsetzt, sollte die Herausgabe der Urkunde an Bedin­gungen knüpfen. Zudem ist es möglich, die Befug­nisse des Bevollmächtigten in einem Vorsor­ge­vertrag genau zu definieren und zum Beispiel einzu­grenzen, auf welche Vermögenswerte er Zugriff hat. Darüber hinaus kann ein Kontroll­be­vollmächtigter bestellt werden, der den Bevollmächtigten kontrol­liert.

3) Selbst­bindung durch Erbvertrag

Im Unter­schied zu einem Testament binden sich die Vertrags­partner mit einem Erbvertrag gegen­seitig. Ein einzelner Erblasser kann ihn nicht mehr ändern, auch wenn der andere verstirbt. Wer einen Erbvertrag aufsetzt, beraubt sich damit zwar seiner

eigenen Testier­freiheit, ist später aber von poten­zi­ellen Erbschlei­chern weniger manipu­lierbar.

4) Gutachten zur eigenen Testierfähigkeit erstellen lassen

Um möglichen künftigen Strei­tig­keiten über die Gültigkeit des Testa­ments von vorne­herein einen Riegel vorzu­schieben, können Erblasser ihrem Testament ein Gutachten darüber beilegen, dass sie noch testierfähig sind. Das ist vor allem bei Erblassern über 80 Jahren sinnvoll.

5) Ältere Menschen nicht alleine lassen

Eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen Erbschleicher ist soziale Kontrolle. „Wer einen älteren, vermögenden Menschen kennt, sollte ihn nicht alleine lassen und sich zum Beispiel regelmäßig melden“, rät Rechts­anwalt Schwei­gerer. Werde der Kontakt von einer Pflege­kraft oder einem Famili­en­mit­glied abgeblockt, sei das ein Warnsignal – und ein Grund, nachzu­haken. Auch wenn ein Erblasser einer Person plötzlich großzügige Geschenke mache und das für ihn bislang unüblich gewesen sei, könnte eine übermäßige Einfluss­nahme durch einen Erbschleicher vorliegen. Ältere Menschen sollten versuchen, soweit es für sie möglich ist, soziale Kontakte aufrecht­zu­er­halten.

Sie benötigen recht­liche Unterstützung? Im Erbrecht spezia­li­sierte Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte des Bonner Anwal­tVereins finden Sie unter: 0228-0228-635800 bzw. unter www.anwalts­aus­kunft.de.

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